Erfolgreicher Anti-Atom-Protest

Protest mit Liegestühlen und unter Sonnenschirmen gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke auf dem „Alten Markt“ / „Molitor und Seif müssen sich auf Bundesebene gegen längere Laufzeiten einsetzen“ / Breite Anti-Atom-Proteste im Herbst angekündigt

Euskirchen, 21.08.2010. Unter dem Motto „Mal richtig abschalten“ haben heute ca. 50 Atomkraftgegner die Abgeordneten Gabriele Molitor (FDP) und Detlef Seif (CDU) aufgefordert, sich gegen die Pläne der Bundesregierung zu stellen, die Laufzeiten der
Atomkraftwerke zu verlängern. Sie machten es sich auf Strandmatten und Badetüchern mitten auf dem Bahnhofsvorplatz bequem und sorgten damit bei Passanten für Verwunderung. Auf ein Signal hin sprangen alle auf und entfalteten Plakate mit der Aufschrift „Gabriele Molitor: Atomkraft abschalten!“ und „Detlef Seif: Atomkraft abschalten“. Im Anschluss daran entstand ein bunter und lauter Demonstrationszug durch die Euskirchener Innenstadt zur Abschlusskundgebung auf dem „Alten Markt“ mit reichhaltigem Infotisch. Auch vor dem Wahlkreisbüro von Detlef Seif wurde Halt gemacht und „abgeschaltet“. Die Aktion war Teil eines bundesweiten Aktionstages in rund 40 Städten, zu dem das Kampagnennetzwerk Campact aufgerufen hatte (www.atomkraft-abschalten.de).

„Wir schalten heute mal richtig ab – und fordern Gabriele Molitor und Detlef Seif auf, es uns gleich zu tun und die Risikotechnologie Atomkraft endlich abzuschalten. Molitor und Seif müssen sich in Berlin gegen die Regierungspläne stellen, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Die Menschen aus ihrem Wahlkreis wollen keine Technologie, die ein fatales Unfallrisiko birgt, tödlichen Atommüll produziert und den Ausbau der Erneuerbaren Energien blockiert. Längere Laufzeiten wollen nur die Atomkonzerne, denen immense Zusatzprofite winken“, sagte Christoph Weise von Campact. „Schwarz-Gelb behauptet, längere Laufzeiten für Atommeiler würden über 2020 hinaus als Brücke ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien gebraucht. Dabei hat die Regierung gerade selbst ihre Prognose für den Ausbau der Erneuerbaren Energien kräftig nach oben korrigiert. Atomkraft als Brücke ist völlig unnötig“, erklärte Weise weiter. „Wir exportieren schon heute so viel Strom ins Ausland, wie acht Atomkraftwerke produzieren. Atomstrom verstopft die Netze und blockiert den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Atomreaktoren können ihre Leistung nicht flexibel an die wetterbedingt wechselnde Stromerzeugung mit Sonne und Wind anpassen – hocheffektive Kleinkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung dagegen schon.“
Am 18. September will die Anti-Atom-Bewegung mit einer bundesweiten Großdemonstration in Berlin gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke protestieren und das Regierungsviertel symbolisch „umzingeln“. Zu der Demonstration aufgerufen hat ein Bündnis aus Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, Parteien und Gewerkschaften. Auch aus Bonn und Köln fährt ein Sonderzug nach Berlin. Weitere Informationen dazu gibt es unter: www.atomkraft-abschalten.de.

Mal richtig abschalten – Demo gegen Atomkraft in Euskirchen!


Nach dem erfolgreichen “Atom-Alarm” in 60 Städten machen wir den Atompolitiker/innen von Union und FDP in ihren Wahlkreisen weiter Druck: beim bundesweiten Aktionstag am 21. August wollen wir in möglichst vielen Städten “mal richtig abschalten”!

In Euskirchen ist folgender Ablauf geplant :

Treff / Beginn am Sa. 21.08. um 11: 00 Uhr und erstes „abschalten“ am Bahnhofsvorplatz
Zug vor das Büro von MdB Seif (CDU), Berliner Str. , „abschalten“
Zug zum „Alten Markt“ in Euskirchen zum „abschalten“ informieren, diskutieren.

Hier erwartet uns ein Infotisch und ein kleines „Podium“, Möglichkeit zu Redebeiträgen, evtl. Podiumsdiskussion mit Partei- , Vereinsvertretern, Privatpersonen. Können Sie dabei sein? Wenn Sie möchten, verkleiden Sie sich gerne sommerlich (z.B. mit Sonnenhut und Sonnenschirm) und bringen Sie etwas zum “Abschalten” mit – ob Liegestuhl, Klappstuhl, Hocker, Strandmatte, Badetuch, Luftmatratze… der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Die Plakate bekommen Sie vor Ort.

Bitte geben Sie diese Informationen auch an Freunde und Bekannte weiter!

www.campact.de

Ohne Staatskohle keine Kernkraft

Und jetzt noch eine Pressemitteilung zur Atomkraft von der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW)

“E.On-Manager redet Klartext:

“Ohne Staatskohle keine Kernkraft”

Der Atomkonzern E.On räumt inzwischen ein, dass neue Atomkraftwerke nur mit Hilfe “staatlicher Stütze” errichtet werden können: “Ohne Staatskohle keine Kernkraft”, erklärte ein hochrangiger E.On-Manager gegenüber der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (FAS, Ausgabe vom 7. Feb. 2010). Auch eine Analyse der Citibank kam 2009 zu dem Ergebnis, dass neue Kernkraftwerke unwirtschaftlich sind.

Damit bestätigen inzwischen Banken und die Atomindustrie die Kritik von Atomkraftgegnern wie der IPPNW, dass neue Atomkraftwerke allenfalls mit Hilfe von massiven Staatssubventionen, staatlichen Billigkrediten, Staatsbürgschaften (Hermes-Bürgschaften) und Strompreisgarantien realisiert werden können. Sie bestätigen ferner, dass noch nie in der Geschichte der Branche ein privates Unternehmen das komplette kommerzielle Risiko für Bau und Betrieb eines Atommeilers übernommen hat.

Die IPPNW dokumentiert dazu Auszüge aus dem FAS-Beitrag “Von wegen Renaissance der Atomkraft”:

“(…) Die beiden deutschen Energieriesen RWE und Eon – voller Aufbruchsstimmung – gründeten deshalb vor einem Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen, das in England sechs Kernkraftwerke errichten und betreiben soll, falls es den Zuschlag bekommt. Doch inzwischen haben die Kaufleute der Konzerne einmal nachgerechnet, ob sich so ein Kernkraftwerk überhaupt bezahlt macht. Nach Informationen dieser Zeitung sind die Controller jetzt zu einem Ergebnis gekommen, das sich in dürren Worten so zusammenfassen lässt: ökonomisch nicht darstellbar.

Die schärfste Analyse liefert die Citibank, die nicht im Verdacht steht, Teil der Anti-AKW-Bewegung zu sein. Im November des vergangenen Jahres veröffentlichten Analysten der Citibank eine Studie unter dem knackigen Titel “New Nuclear – The Economics say no” (Neue Kernkraft – Die Ökonomie sagt nein).

Die Banker spießen unter anderem das finnische Projekt auf, um dann grundsätzlich zu werden: “Wenn bei Investitionssummen in dieser Höhe ein Bauprojekt aufs Schlimmste falsch läuft, kann es die Finanzkraft selbst der größten Energieversorger beschädigen.” (…)

Börsennotierte Energieversorger scheuen das Risiko nahezu zwangsweise. Sie haben eines gelernt: Zuverlässig Geld bringen die Reaktoren erst nach 30 Jahren, wenn sie weitgehend abgeschrieben sind.

Das ist auch das geradezu groteske Ergebnis der Befreiung der Energiemärkte: Die Privatisierung der Branche und die Liberalisierung des Stromwettbewerbs verhindern den Bau aufwendiger Kraftwerke, vor allem aber von Atomkraftwerken. “Alle Modelle, bei denen ein privater Betreiber das komplette Risiko des Kernkraftprojektes übernimmt, sind zum Scheitern verurteilt”, verrät ein hoher Eon-Manager, der flapsig ergänzt: “Ohne Staatskohle keine Kernkraft.” Kein Wunder, dass RWE jüngst aus dem Bauprojekt im bulgarischen Belene ausgestiegen ist, der deutsche Stromversorger wollte das finanzielle Risiko nicht aushalten.

Für die Atomindustrie sind die Erkenntnisse so neu nicht, weil noch nie in der Geschichte der Branche ein privates Unternehmen das komplette kommerzielle Risiko für Bau und Betrieb eines Atommeilers übernommen hat. (…) So beschränkt sich die Renaissance der Kernkraft auf Länder, in denen staatliche Betreiber oder Geldgeber das Risiko tragen.”

Weitere Informationen:

www.ippnw.de/atomenergie